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Irina Botea Bucan, It is now a matter of learning hope (2014), mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin

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Ausstellungsansicht, Redrawing the Lines, © IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst, Foto: Lola Pertsowsky

11.10.2022–08.01.2023

Redrawing the Lines

Mit:

Matei Bejenaru, Irina Botea Bucan, Dani Ghercă

Eröffnung: 09.10.2022, 14:00

Von der Kolonialzeit bis heute zieht sich in der Selbstwahrnehmung Europas der Eindruck, die „Alte Welt“ darzustellen: als Wiege der ältesten und bedeutendsten Zivilisationen und dazu berufen, über andere zu herrschen. Dieses Bild der Ewigkeit steht im Kontrast mit der Geschichte des Kontinents, die von territorialer Zerbrechlichkeit und der ständigen Veränderung von Grenzen und Umwälzungen der eigenen Identität gezeichnet ist. Kriege, Machtkämpfe und Politik haben die Linien des Kontinents unzählige Male neu gezogen, um die Europäische Gemeinschaft, wie wir sie heute kennen, zu bilden. Vor fünfzehn Jahren trat Rumänien der Europäischen Union im Rahmen ihrer geopolitischen Erweiterung bei und gehört somit nach einem langen, schon 1993 angestoßenen Prozess zu den neuesten Mitgliedsländern. Rumänien bildet mit seinen Grenzen zur Republik Moldau und zur Ukraine auch Teil des östlichen Randes der EU. Die vermeintlich periphere Lage des Landes ist aber auch eine strategisch nützliche: sowohl geografisch als auch in Bezug auf sein Marktpotenzial sowie seine wertvollen natürlichen Ressourcen – darunter Erdöl, Gold, Silber, Uran und Kapazitäten für die Energieerzeugung aus Wasserkraft. Die EU-Mitgliedschaft Rumäniens hatte einen wichtigen Einfluss sowohl auf den Übergang des Landes zu einer kapitalistischen Wirtschaft nach 42 Jahren des Kommunismus, als auch auf die Entwicklung der der EU-Staaten in ihrer Gesamtheit.

„Redrawing the Lines“ (Die Linien neu ziehen) präsentiert Werke der Künstler:innen Matei Bejenaru, Irina Botea Bucan und Dani Ghercă, die sich mit dem postkommunistischen Wandel in ihrem Land beschäftigen, wobei der Schwerpunkt auf den politischen und sozioökonomischen Veränderungen liegt, die der EU-Beitritt Rumäniens mit sich gebracht hat. Während die Künstler:innen ebenso humorvoll wie kritisch auf die Singularitäten Rumäniens auf seinem Weg zu einer kapitalistischen, globalen Demokratie reagieren, lädt die Ausstellung das Publikum ein, diese Werke auf ihre Universalität hin zu betrachten und sie im Kontext aktueller Ereignisse – Ukraine-Krieg, Erstarken von Nationalismus und rechtsextremen Ideologien auf der ganzen Welt, steigende Lebenshaltungskosten und Energiekrise – neu zu bewerten. Matei Bejenarus Installationen stellen das Konstrukt von Sprachen und kapitalistischer Produktion in Frage, während Dani Ghercă durch seine Fotografien die Lebensumstände und sozialen Infrastrukturen beleuchtet. Die Videoarbeiten von Irina Botea Bucan sind eine kritische Untersuchung von Identitätspolitik und formulieren Gesten des Widerstands und der Hoffnung. Diese Ausstellung stellt die Frage: Welche Linien verpflichten wir uns zu bewahren, und welche Linien wollen wir in Zukunft ziehen?

„Redrawing the Lines“ ist von Daniella Géo kuratiert und wird in Zusammenarbeit mit SwitchLab, Bukarest, organisiert. Dieses Kulturprojekt wird unterstützt von der Verwaltung des Nationalen Kulturfonds von Rumänien (Administrația Fondului Cultural Național – AFCN). Dieses Projekt stellt nicht unbedingt die Sicht der Verwaltung des Nationalen Kulturfonds von Rumänien dar. AFCN haftet nicht für die Inhalte des Projekts oder die Verwendung der Ergebnisse. Die Verantwortung hierfür liegt ausschließlich bei den Begünstigten.

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Ausstellungsansicht, Redrawing the Lines, © IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst, Foto: Lola Pertsowsky

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Ausstellungsansicht, Matei Bejenaru, Enlarged Clothing, 2004-2005, © IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst, Foto: Lola Pertsowsky

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Ausstellungsansicht, Redrawing the Lines, © IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst, Foto: Lola Pertsowsky

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Ausstellungsansicht, Matei Bejenaru, Enlarged Clothing, 2004-2005, © IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst, Foto: Lola Pertsowsky

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Ausstellungsansicht, Redrawing the Lines, © IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst, Foto: Lola Pertsowsky

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Ausstellungsansicht, Redrawing the Lines, © IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst, Foto: Lola Pertsowsky

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Ausstellungsansicht, Irina Botea Bucan, Before a National Anthem, 2009, © IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst, Foto: Lola Pertsowsky

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Ausstellungsansicht, Irina Botea Bucan, Before a National Anthem, 2009, © IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst, Foto: Lola Pertsowsky

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Ausstellungsansicht, Matei Bejenaru, Impreuna / Together, 2007, © IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst, Foto: Lola Pertsowsky

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Ausstellungsansicht, Matei Bejenaru, Speaking 6, 2004/2022, © IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst, Foto: Lola Pertsowsky

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Ausstellungsansicht, Matei Bejenaru, Enlarged Clothing, 2004-2005, © IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst, Foto: Lola Pertsowsky

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Ausstellungsansicht, Matei Bejenaru, Enlarged Clothing, 2004-2005, © IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst, Foto: Lola Pertsowsky

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Ausstellungsansicht, Matei Bejenaru, Speaking 6, 2004/2022, © IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst, Foto: Lola Pertsowsky

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Ausstellungsansicht, Redrawing the Lines, © IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst, Foto: Lola Pertsowsky

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Ausstellungsansicht, Redrawing the Lines, © IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst, Foto: Lola Pertsowsky

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Ausstellungsansicht, Dani Ghercă, Tunnels and Pipes (Triptych 1), 2013, © IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst, Foto: Lola Pertsowsky

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Ausstellungsansicht, Redrawing the Lines, © IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst, Foto: Lola Pertsowsky

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Ausstellungsansicht, Redrawing the Lines, © IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst, Foto: Lola Pertsowsky

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Ausstellungsansicht, Redrawing the Lines, © IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst, Foto: Lola Pertsowsky

DANI GHERCĂ (geboren 1988, Bukarest, ROU) lebt und arbeitet in Brüssel. Die großformatigen Fotografien von Dani Ghercă (Bukarest, Rumänien) sind eine Reflektion über den andauernden Übergang zu einer neuen Phase des menschlichen Bewusstseins, die wir noch nicht gänzlich begreifen können. Zwischen 2010 und 2019, bevor er mit seiner jetzigen künstlerischen Praxis begann, arbeitete er an verschiedenen Projekten zur Dokumentation sozialer und wirtschaftlicher Veränderungen, die sich aus der rumänischen Revolution und der EU-Mitgliedschaft des Landes ergeben haben. Hauptthemen seiner früheren Arbeiten sind die marginalisierten Gruppen, die in einem Netz aus unterirdischen Tunneln unter Bukarest leben („Tunnels and Pipes“ 2011–2015), oder der Zerfall von Wohngebieten für die Arbeiter:innenklasse in Rumänien („A Diagram of Utopia“ 2014–2017). Ghercă studierte Fotografie an der Nationalen Universität der Künste in Bukarest. Seine Werke wurden vielfach ausgestellt, unter anderem am Museo ICO in Madrid, der Tate Exchange in Liverpool, im Essl Museum in Wien und am MNAC Bukarest.

IRINA BOTEA BUCAN (geboren 1970, Ploiesti, ROU) arbeitet in einem symbiotischen, methodologischen Bezugssystem zwischen Kunst, Bildung und Forschung, das beständig die dominanten soziopolitischen Vorstellungen hinterfragt und nichtmenschliche Handlungsfähigkeit als Bedeutungsträger in den Mittelpunkt rückt. Performance, Neuinszenierung, simulierte Castings, Elemente des Direct Cinema und Cinéma Vérité finden allesamt Einzug in ihre künstlerische Praxis. Die Werke entstehen in einem Vorgang der Kollaboration, in dem Teilnehmende in den Prozess eingebunden werden. Währenddessen wechselt sie in ihrer Rolle als Filmemacherin zwischen Beobachtung, Reflexion, Partizipation und Performance. Sie lehrt derzeit an der The School of the Art Institute of Chicago (seit 2006) und ist Ph.D.-Kandidatin an der Goldsmiths University in London. Ihre Werke wurden unter anderem ausgestellt bei der 55. Biennale in Venedig, beim International Film Festival Rotterdam, am The New Museum in New York City, am MUSAC (Museum of Contemporary Art of Castilia and León), dem Centre Pompidou in Paris, an der Galerie Nationale du Jeu de Paume ebenda, in der Kunsthalle Winterthur, im Reina Sofia National Museum Madrid, der Gwangju Biennale 2010, der U -Turn Quadriennale Kopenhagen, der 51. Biennale in Venedig, der Prager Biennale, im Kunstforum Wien, in der Foksal Gallery in Warschau, am Argos Center for Art and Media in Brüssel, am MNAC (National Museum of Contemporary Art) Bukarest, sowie am Museum of Contemporary Art in Szczecin.

MATEI BEJENARU (geboren 1963, Suceava, ROU) ist ein visueller Künstler, der mit den Medien Fotografie, des Films und der Performance arbeitet. Er lebt und arbeitet in Iași, Rumänien. Seine Projekte analysieren, wie technologisches Wissen, wirtschaftliche Produktion, Mentalitäten und Lebensweisen in postkommunistischen Ländern sich in den letzten drei Jahrzehnten verändert haben. Seine Werke wurden ausgestellt an der Tate Modern in London, der Taipei Biennale, im Drawing Room in London, am Western Front in Vancouver, sowie am MNAC (National Museum of Contemporary Art) in Bukarest. Matei Bejenaru war Gastprofessor an der Université du Québec in Montreal (2011–2012). Von 2012 bis 2013 war er associate artist am Kettle’s Yard Art Center in Cambridge. Er war zwischen 1997 und 2008 Leiter der Periferic Biennial for Contemporary Arts und ist seit 2015 künstlerischer Leiter des Center for Contemporary Photography in Iași, Rumänien.