Mit der Ausstellung „Werdeformen“ zeigen wir Wolfgang Nestler (1943) in einer Einzelausstellung im IKOB. Als teilnehmender Künstler der 1993 in Ostbelgien stattgefundenen Ausstellung «Volle Scheunen» ist er dem IKOB seit Jahrzehnten verbunden. Mit über 80 Jahren blickt Nestler auf ein Œuvre zurück, das die Entwicklung der Skulptur in Deutschland seit den späten 1960er-Jahren aufmerksam begleitet und maßgeblich geprägt hat. Seine künstlerische Position, die Material, Raum und Bewegung auf besonders eigenständige Art und Weise miteinander verbindet, stellt einen wesentlichen Beitrag zur Erweiterung des Kunstbegriffs dar. Seine Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Umbrüchen und persönlichen Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte spiegelt sich in seiner Kunst, die er aus einfachen Materialien, wie Holz, Stahl, Blech und Stein Form werden lässt.

 Wichtigster Bestandteil seiner Kunst ist die geistige Aktivierung der Besucher:innen, die eingeladen sind, die Skulpturen genau zu betrachten und ihre inneren Dynamiken, Spannungen und Zustände zu fühlen. Nestlers Skulpturen führen ein intensives Eigenleben und verweisen immer auch auf ihre materielle Dinglichkeit.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine Auswahl zentraler Skulpturen und Installationen aus verschiedenen Schaffensperioden Nestlers. Sie sind Werdeformen im Wortsinn. Daher kommt auch der Titel der Ausstellung. Sie sind nie abgeschlossen, nie fertig, immer anders. Diese künstlerische Haltung steht im Einklang mit Nestlers grundsätzlicher Haltung gegenüber der Welt in der er lebt: Er sieht nicht das Fertige, Abgeschlossene, weder in den Menschen, die ihm begegnen noch in den Kunstwerken, die ihn interessieren. Sein Fokus liegt auf der den Prozessen und Potenzialen, die es in allem und jedem zu entdecken und sichtbar zu machen gilt.

Ein besonderer Höhepunkt dieser Ausstellung ist Einbeziehung des Wasserschloss Eynatten als zweiten Erlebnis-und Erfahrungsraum neben dem IKOB-Museum. Dort wird erstmals seit mehreren Jahrzehnten eine Serie von Außenarbeiten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Diese im Freien positionierten Skulpturen zeigen eine weitere Dimension Nestlers künstlerischen Schaffens. Im Dialog mit historischer Architektur und Außenraum entwickeln die Werke eine besondere Wirkung, die in musealer Umgebung nicht möglich wäre. Diese Ausstellung entseht parallel aber nicht synchron zu der Ausstellung im IKOB. Die Interessent:innen werden im Laufe des Monats März noch einmal gesondert über die Eröffnung des Parallelevents informiert.

Biographie :

Wolfgang Nestler wurde 1943 in Gershausen bei Kirchheim/Hessen geboren.

Von 1967-1973 studierte er an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Erwin Heerich
1974 bekam er ein Stipendium der Stadt Aachen. Zwischen 1987-1989 war er als Professor an der Universität Gesamthochschule Siegen tätig. Später zwischen 1989-2007 hatte er die Professur für Bildhauerei an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken inne.

Wichtige Ausstellungen waren 1974 im Museum Haus Lange, Krefeld.
1976 und 1978 in der berühmten Galerie Schmela, Düsseldorf.
1977 war er Teilnehmer der documenta 6 und 1987 der documenta 8 in Kassel.

Eine Liste mit Literaturempfehlungen wurde von Wolfgang Nestler eigens für diese Ausstellung zusammengestellt.